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Frau unterm Doktorhut.
Mit den Mitteln des Verstandes.

Dorothea Christiana Erxleben

Dorothea Christiana Erxleben
1715 (Quedlinburg, Sachsen-Anhalt) - 1762 (Quedlinburg)
erste promovierte Ärztin Deutschlands

Ein großer Haushalt und acht Kinder – dazu ein beruflich stark eingespannter Ehemann. Kaum vorstellbar, dass Dorothea Erxleben unter diesen Umständen auch noch Zeit findet, sich fortzubilden. Sie tut es dennoch.

Und so erhält sie an der Universität Halle an der Saale den medizinischen Doktorgrad, rund ein Jahr nach der Geburt ihres neunten Kindes. Man schreibt 1754, und Dorothea Erxleben ist die erste Ärztin Deutschlands mit Promotion. Sie ist 38, eine Schule oder Universität hat sie nie besucht.

 

 

 

Fordern und fördern

Doch das Behandeln und Heilen ist für die frisch Promovierte nichts Neues. Schon als Mädchen begleitet sie ihren Vater – Arzt und streitbarer Wissenschafter – bei seinen Krankenbesuchen in Quedlinburg. Nach und nach darf sie bei der Visite verschiedene Aufgaben übernehmen.

Parallel dazu erhält die Heranwachsende – die eine begeisterte Leserin ist – gemeinsam mit ihrem Bruder Hausunterricht, zum Beispiel in Latein und Naturwissenschaften. Auch als der Bruder intensiv für das Medizinstudium vorbereitet wird, nimmt Dorothea an diesen Lektionen teil. Ein ausgesprochenes Privileg für ein Mädchen des 18. Jahrhunderts.

Schließlich bekommt sie sogar eine offizielle „Studienerlaubnis“ von höchster Stelle. König Friedrich II. bewilligt ein von ihr mit diplomatischem Geschick verfasstes Gesuch.

 

Verpflichtungen statt Freiheit

Doch dann kommt alles ganz anders: Ihre Cousine stirbt und hinterlässt fünf kleine Kinder. Weil sie sich ihrer Familie verpflichtet fühlt, heiratet Dorothea Leporin den Witwer Johann Christian Erxleben und nimmt seinen Nachnamen an.

So wird sie im Jahr 1742 zur Pastoren-Gattin und Stiefmutter; außerdem bekommt sie im Laufe der Jahre vier eigene Kinder – anstatt für ihren Doktortitel zu büffeln. Dennoch hört sie nicht auf, Kranke und Bedürftige zu versorgen.

 

Mit Brief und Siegel

Doch dann wird sie der Kurpfuscherei bezichtigt. Kollegen haben sie angeschwärzt – möglicherweise aus Neid auf die tüchtige Frau. Dorothea Erxleben beschließt, nun doch noch zu promovieren, da sie ihren Beruf keinesfalls aufgeben möchte.

Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit reicht sie ihre Abschlussarbeit ein – in dieser schreibt sie über Sinn und Unsinn verschiedener Therapien, an denen die Behandler gut verdienen. Danach legt sie die mündlichen Prüfungen in lateinischer Sprache ab.

 

Ihrer Zeit um 150 Jahre voraus

Durch die Verleihung der Doktorwürde ändert sich für Dorothea Erxleben wohl nicht viel; sie praktiziert weiterhin, kümmert sich um die Kinder und ihren kranken Ehemann. Im Alter von 46 Jahren stirbt sie in ihrem Geburtsort Quedlinburg, vermutlich an einer Krebserkrankung.

Vor und nach der Pionier-Doktorin haben viele weitere Frauen als Ärztinnen praktiziert, ganz ohne akademischen Titel. Der Zugang zum Medizinstudium an deutschen Universitäten wurde ihnen erst um 1900 gewährt – auch wenn Dorothea Erxleben schon lange davor schrieb: „Ein jeder will gern ein verständiges Weib haben, aber die Mittel des Verstandes will man ihnen nicht zulassen.“

 

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