Home | Infos für Erstanwenderinnen | Verhütung in jeder Lebensphase | Frauengesundheit | Starke Frauen | Service

Ihrer Zeit voraus
Diva der Frequenzen

Hedy Lamarr

Hedy Lamarr
1914 (Wien, Österreich)
- 2000 (Altamonte Springs, Florida, USA)
Schauspielerin & Erfinderin

Der 9. November ist der „Tag der Erfinder“. Das Datum wurde gewählt, weil es der Geburtstag von Hedy Lamarr ist. Ihr Verdienst? Sie hat um 1940 die Idee für das so genannte Frequenzsprungverfahren. Die Umsetzung und Patentierung erfolgt kurz darauf gemeinsam mit dem befreundeten Komponisten George Antheil.

Wie die Nachrichtentechnik mit dem sperrigen Namen im Detail funktioniert, wissen auf Anhieb wohl nur passionierte Naturwissenschaftler. Im Alltag allerdings ist Lamarrs Innovation für jedermann allgegenwärtig. Ursprünglich als Methode zur störungs- und abhörsicheren Funkfernsteuerung von Torpedos im Zweiten Weltkrieg konzipiert (aber nicht eingesetzt), kommt das „frequency hopping“ heute beim Telefonieren mit Handys sowie bei mobilen Internetverbindungen zum Einsatz.

 

Femme fatale aus Wien

Wer sich unter der Erfinderin eine brave Streberin vorstellt, der irrt. Die zu Beginn des Ersten Weltkriegs als Hedwig Eva Maria Kiesler in Wien geborene Hedy Lamarr macht nämlich – trotz ihres Ingenieurtalents – Karriere als Filmdiva. Sie gilt im Hollywood der 1940er Jahre als „schönste Frau der Welt“, spielt an der Seite von Judy Garland und Clark Gable. Sie verdient Millionen – und gibt sie wieder aus.

Ihr glamouröser Stil, inklusive brünetter Mittelscheitel-Frisur, wird weltweit von Fans kopiert. Sie war sechsmal verheiratet, hat Affären und unzählige Verehrer. In die Filmgeschichte geht sie bereits 1933 mit der tschechoslowakisch-österreichischen Produktion „Ekstase“ ein. Hier ist sie als erste Frau der Filmgeschichte nackt zu sehen. Ein Skandal, der sie über Nacht zum Star macht.

 

Flucht nach Hollywood

In Österreich hält es die jüdische Schauspielerin, die von Max Reinhardt unterrichtet wurde, nicht. Ein kontrollsüchtiger Ehemann und die zunehmende Bedrohung durch die Nazis läßt sie 1937 über Paris und London nach Hollywood auswandern.

Prompt erhält sie bei der Filmproduktionsfirma Metro-Goldwyn-Mayer einen Vertrag. Unter ihrem neuen Künstlernamen „Lamarr“ dreht sie bis 1958 rund zwei Dutzend Filme und wird zur Stilikone. Zu ihren größten Erfolgen zählt die weibliche Hauptrolle in „Samson und Delilah“ (1949). Als der Blockbuster gedreht wird, hat sie drei kleine Kinder und bereits drei Ehen hinter sich.

In den 1960er Jahren wird es ruhiger um Hedy Lamarr, die mittlerweile amerikanische Staatsbürgerin ist. Zwar erscheint ihre Autobiografie „Ekstase und ich“ und Andy Warhol widmet ihr die Film-Hommage („Hedy, the shoplifter“), doch sie steht nicht mehr vor der Kamera und zieht sich schließlich nach Florida zurück.

 

Späte Ehrung

Erst in den letzten Lebensjahren, mit dem Aufkommen des Mobilfunks, wird der Erfindergeist von „Lady Bluetooth“ in den USA und in Österreich gewürdigt. Nach ihrem Tod im Jahr 2000 bringt Hedy Lamarrs Sohn Anthony einen Teil ihrer Asche nach Wien – wo sie einst die geschäftlichen Besprechungen ihres ersten Ehemannes, des Waffenfabrikanten Fritz Mandl, mitverfolgt hat.

Damals hat man die aufstrebende Jungschauspielerin wohl als hübsches Dummchen unterschätzt. Doch als stille Zuschauerin konnte sich Lamarr die Grundlagen für ihre störungsfreie Funkfernsteuerung aneignen. Mit dem lange unbeachteten Frequenzsprungverfahren war sie ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus – und bewies, dass kreative Köpfe nicht nur in der Kunst fernab der ausgetretenen Pfade wandeln, sondern auch in der Wissenschaft Großes vollbringen.