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Eine neue Welt
Fantasie und Freiheit im Kinderzimmer

Alma Siedhoff-Buscher

Alma Siedhoff-Buscher
1899 (Kreuzthal bei Siegen, Nordrhein-Westfalen) -
1944 (Buchschlag bei Frankfurt/Main)
Künstlerin & Designerin

In den 1920er Jahren ist das „Bauhaus“ eine progressive Kunstschule. Hier bewerben sich Studenten, denen „verzopftes“ Kunstgewerbe zum Halse heraushängt. Sie wollen avantgardistisches Design!

So auch Alma Buscher, die nach dem Schulabschluss in Berlin bereits zwei Kunstausbildungen erfolgreich absolviert hat. Die junge Frau, geboren 1899 und aufgewachsen in bürgerlichen Verhältnissen, wird 1922 als Bauhaus-Studentin aufgenommen und zieht nach Weimar. Hier wird sie u. a. von Paul Klee und Wassily Kandisky unterrichtet.

 

 

 

Holz statt Faden

Doch der Start in der neuen Stadt ist etwas holprig. Buscher muss – wie fast alle weiblichen Bauhaus-Studentinnen – in der Werkstatt für Weberei arbeiten. Die zugeteilte Rolle behagt ihr nicht. Doch es gelingt ihr, in die Holzbildhauerei zu wechseln.

Ein Glück für Buscher, aber auch für ihre Ausbildungsstätte. Für das legendäre „Haus am Horn“ (Ausstellungs- und Versuchshaus) entwirft sie 1923 ein komplettes Kinderzimmer. Alma Buschers Credo: „Kinder sollen, wenn irgend möglich, einen Raum haben, in dem sie das sein können, was sie wollen ...“

 

Formen für das Kind

Buschers Kinderzimmer ist der zweitgrößte Raum des Hauses, von hier führt eine Terrassentür direkt in den Garten. Wandtafeln laden zum kreativen Austoben ein.

Ein Novum sind die multifunktionalen Möbel: Zum Beispiel ein modularer Spielschrank, dessen Tür sich in ein Puppentheater verwandeln lässt. Einzelne Elemente des Spielschranks dienen – je nach Lust und Laune – als Bank, Baustein oder mobile Aufbewahrungskiste.

Ebenfalls in Buschers Kinderzimmer: ein Leiterstuhl, der auch als Lokomotive fungieren kann sowie eine moderne Wickelkommode.

 

Keine kleinen Erwachsenen

Buscher will, dass in ihrer „neuen Welt für Kinder“ ein fantasievolles Entdecken möglich ist. Sie lehnt es ab, Kinder wie „kleine Erwachsene“ zu behandeln. Deshalb entwirft sie auch Spielsachen, die – im Gegensatz zum gängigen Spielzeug – keine naturgetreuen Mini-Abbilder der Erwachsenenwelt sind.

Vielmehr setzt sie auf abstrakte Elemente, etwa im „Bützelspiel“, „Kugelspiel“ und im „Schiffbauspiel“ – das Bauklötze-Set ist von zeitloser Qualität und wird (wieder) produziert. Die geometrischen Holzbausteine sollen ein freies Experimentieren ermöglichen. Zusammengestellt ergeben sie ein buntes Segelschiff, aber sie können „... auch eine Berg- und Talbahn, ein Tor, ein Tier und vieles sonst noch sein ...“, so Buscher.

Außerdem designt die Bauhaus-Studentin ihre später patentierten „Wurfpuppen“ aus Bast, Garn und Holzkugeln sowie Bastelbögen für Boote und Kräne.

 

Familien-Wanderungen

Kurz nach ihrer Ausbildungszeit heiratet die „Bauhäuslerin“ den Schauspieler und Tänzer Werner Siedhoff. Im selben Jahr (1926) wird ihr Sohn Joost geboren; Tochter Lore kommt 1928 auf die Welt.

Die Familie zieht oft um, den diversen Engagements des Vaters folgend. Um Alma Siedhoff-Buscher wird es ruhiger. Sie kreiert zwar noch Malfibeln, doch der Erfolg bleibt aus.

In den 1940ern lässt sie sich mit ihrem Mann und ihren Kindern in Frankfurt nieder. Hier kommt sie während eines Bombenangriffs im Jahr 1944 um.

 

Wieder in Mode

Das funktionale Kinder-Design von Alma Siedhoff-Buscher findet heute wieder Beachtung, denn glücklicherweise widmen sich seit einigen Jahren verschiedene Forscher der fast vergessenen Geschichte der weiblichen „Bauhäusler“. Alma Siedhoff-Buschers Werk wurde in einer Sonderausstellung gewürdigt, und es gibt Re-Editionen von einigen ihrer wunderbaren Spielsachen.